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Sonntag, 19. August 2012

Rezension: Prometheus - Dunkle Zeichen

Vor dreiunddreißig Jahren versetzte Ridley Scott die Kinogänger auf der ganzen Welt in Angst und Schrecken: Der Film Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt  kam in die Kinos. Atemlos verfolgten die Zuschauer, wie das von dem Schweizer Künstler H. G. Giger erschaffene Monster die Besatzung des Raumfrachters "Nostromo" dezimierte, bis nur noch die tapfere Ripley (Sigourney Weaver) und der Bordkater Jonesy am Leben waren. Drei weitere Filme im Alien-Universum folgten, die den Erfolg des Originals sogar noch übertrafen. Jetzt kehrt Ridley Scott (Regie) mit Prometheus - Dunkle Zeichen zu den Ursprüngen zurück, und dies ist wortwörtlich gemeint, denn die Handlung geht von der Prämisse aus, dass die Entwicklung der Menschheit sozusagen durch eine außerirdische Befruchtung in Gang gesetzt wurde.

Elisabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) sind engagierte Archäologen und außerdem ein Liebespaar. Ihre jüngste Entdeckung, eine Wandmalerei in einer Höhle, bestätigt sie in der Vermutung, dass sie es mit einer Sternkarte zu tun haben und interpretieren diese als eine Einladung zu der Welt jener übermächtigen Spezies, die einst die Menschen erschufen. Im Auftrag des einflussreichen Konzerns Weyland Industries wird das Forschungsschiff Prometheus zum Zielort geschickt. Und während die Mannschaft die mehrjährige Reise in speziellen Kammern verbringt, wacht der perfekte Androide David (Michael Fassbender) über Schiff und Besatzung.

Als das Raumschiff auf dem kargen Mond LV-223 eintrifft, wird schnell deutlich wer das Sagen an Bord hat: Meredith Vickers (Charlize Theron), eine durch und durch effiziente Angestellte von Weyland Industries. Ihre Ziele sind klar definiert und kollidieren schon bald aufs heftigste mit denen der Wissenschaftler und der Crew. Keine guten Voraussetzungen, um eine fremde Welt zu betreten. Denn schon bald zeigt sich, dass das unterirdische Labyrinth des Mondes alles andere als unbelebt ist und bereits ein kleiner Fehler tödliche Konsequenzen hat. 

Ohne Frage wurde "Prometheus" für die Fans der "Alien"-Serie gedreht. Der Androide David erinnert an Ash, der die Mannschaft der "Nostromo" in die Pfanne haute und auch die Besatzung um Captain Janek (Idris Elba) spiegelt die Rau-aber-herzlich-Mentalität der "alten" Alien-Crew. Scott geht sogar so weit, beide Raumschiffe nahezu baugleich anzulegen. Selbst die Abläufe an Bord erinnern an das Bordleben der "Nostromo". Dieser Trick sorgt dafür, dass man sofort dabei ist, doch leider macht dieser Umstand die Geschichte recht vorhersehbar. Zwar weiß man nicht, wann das Alien das erste Mannschaftsmitglied umbringen wird, doch es steht außer Frage, dass es passieren wird.
Ebenso ahnt man, welche Rollen Noomi Rapace und Michael Fassbender zugedacht sind. Allerdings ist man von dem Design, den Spezial-Effekten und vor allem der unglaublich technisch-perfekten Umsetzung in 3D so überwältigt, dass man sich erst Stunden später fragt: Wo war hier eigentlich die Geschichte? Und genau da liegt das Problem von "Prometheus": in der Erwartungshaltung.
Im Vorfeld versprach Ridley Scott viel. Es sollte um tief philosophische Fragen gehen, der Suche nach Gott und nach dem Ursprung menschlichen Lebens. Inspirieren ließ er sich von Erich von Dänikens verquaster "Präastronautik"-Theorie aus den später 60er Jahren (Die Götter waren Astronauten!). Und so bleibt Scotts Intention nur schmückendes Beiwerk, um die unterschiedlichen Motivationen seiner Protagonisten zu unterfüttern. Dabei hat es der Film überhaupt nicht nötig, sich in die Niederungen von esoterischen Pseudo-Philosophien zu begeben, denn "Prometheus" bietet Science Fiction der Extraklasse. Wieder einmal setzt Ridley Scott neue Maßstäbe für das Genre. Einen neuen Kultfilm hat er mit "Prometheus" zwar nicht geschaffen, aber mittlerweile hat der Film schon so viel eingespielt, dass eine Fortsetzung in Planung ist. 
©Myra Çakan

Science Fiction, USA 2012, Regie: Ridley Scott  - ©Images: Twentieth Century Fox

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