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Freitag, 25. November 2011

Roland Emmerich - Interview zu "Stargate"

Roland Emmerich über Hollywood und Stargate. Das Interview führte ich 1995 in Hamburg.
Myra Çakan: Du bist in einer Kleinstadt aufgewachsen. Als du vor einigen Jahren nach Hollywood gingst, bekamst du da so eine Art Kulturschock? 
Roland Emmerich: Nein, das ist ein langsamer Prozeß gewesen. Erstens bin ich nach München gegangen und hab da studiert, zweitens bin ich immer erst mal eine oder zwei Wochen rübergegangen. Dann mal drei Monate. Ich hab ja meine Filme nach Amerika verkauft und hab da drüben Presse gemacht. Zuerst hab ich mich dagegen gewehrt, ganz rüberzugehen. Aber mit einem Mal war es dann kein so großer Schritt mehr.
MC: Wie bist du dazu gekommen Science Fiction zu machen. Gab es einen Film, der dich so gepackt hat, daß du dir sagtest, »Das will ich auch machen«?
RE: Als ich noch auf dem Gymnasium war, hab ich durch Zufall Close Encounters of the Third Kind [Steven Spielbergs Die Unheimliche Begegnung der Dritten Art - 30th Anniversary Ultimate Edition von 1977] gesehen. Ich kam aus dem Film raus, hab mich einmal kurz umgeguckt und bin gleich wieder reingegangen. Das hab ich das ganze Wochenende getrieben und hab‘s mir vier-, fünfmal angeguckt. Mir hat nicht nur das Thema gefallen, sondern auch, wie unkonventionell der Film erzählt ist. Wie jemand den Mut hat, auf jegliche normale Strukturen zu verzichten. Er hat einen siebenundvierzig Minuten langen Showdown, und du merkst das überhaupt nicht. Später auf der Filmhochschule ist mir aufgefallen, wie extrem der Film sich von anderen unterscheidet.

MC: Du hast für Stargate unheimlich viel hingebaut und Statistenmassen eingesetzt. kam da so ein Erich-von-Stroheim-Feeling am Set auf?
RE: Wir haben total den Lächerlichen bekommen. Die Haupt-Crew hat mich die ganze Zeit Cecil genannt - nach Cecil B. DeMille. Die haben mich zum Wahnsinn getrieben.
MC: Stargate war dein erster großer Film, mit einem 55-Millionen-Dollar-Budget. Ist dir da schon mal der Gedanken gekommen: Was ist, wenn ich das Ding jetzt in den Sand gesetzt habe?
RE: Total. Das war ein, zwei Tage vor dem Filmstart. Ich saß da in Mexiko und hab mich mit Tequila betrunken. Ich war noch nie in meinem Leben so nervös. Ich bin den ganzen Tag auf und ab gerannt und hab mindestens sechs, sieben Schachteln Zigaretten an einem Tag geraucht.
MC: Und als der Film dann so gut gestartet ist ...?
RE: Da war ich einfach nur erleichtert. Ich hab nicht mal so’n Glücksgefühl gehabt.
MC: Wie steht es sonst mit Selbstzweifeln?
RE: Du bist ständig nicht zufrieden mit dem, was du machst. Wenn der Film fertiggestellt ist, siehst du mehr die Fehler als jeder andere. Du hast ein ganz bestimmtes Bild im Kopf gehabt, und dann geht es durch den ganzen Prozeß des Filmemachens, der immer noch relativ bürokratisch ist. Und du machst eigentlich ständig Kompromisse, und dir rennt die Zeit weg.
MC: Kannst du das Drehbuchschreiben von der Arbeit als Regisseur trennen?
RE: Das ist ein Prozeß. Die Vorbereitungszeit von den Filmen, die ich mache, ist relativ lang. Da gibt es auch die Phase, wo ich mich mit den Schauspielern zusammensetze, und dann kann jeder sagen, was ihm gefällt oder auch nicht. Das nehmen wir auf Tonband auf, und dann fangen wir wieder an, an den Dialogen herumzubasteln.
MC: Dann bist du für Vorschläge offen?
RE: Das mußt du glaube ich sein. Ich fühl mich immer noch in der Phase, daß ich noch etwas dazulerne. Mit James Spader und Kurt Russel ist das so, daß die unheimlich viel dazu beitragen. Ich hab auch immer das Gefühl, daß die Schauspieler nicht nur ihr Gesicht herhalten, sondern daß sie auch eine gewisse Mitverantwortung für den Film übernehmen. Das ist auch der Anspruch, den ich an sie habe. Und das mache ich immer von Anfang an klar, wenn ich mich mit den Schauspielern zum ersten Mal treffe, daß ich das mehr als Partnerschaft sehe.
MC: Stargate kam ja irgendwie zum richtigen Zeitpunkt. Es gab ja schon lange keinen epischen Fantasy-Film mehr ...
RE: Darum hab ich den Film überhaupt gemacht. Ich hab immer zum Dean [Dean Devlin, Co-Autor u. Produzent] gesagt: »Warum macht niemand solche Filme mehr, wo bleiben unsere ganzen Lieblingsfilme?«
MC: In Stargate geht es um das Geheimnis der Pyramiden und um Außerirdische. Bekommst du Reaktionen aus der New-Age-Ecke?
RE: Die haben mir zum Teil seltsame Briefe geschrieben. Eine Frau sagte, ich hab die sieben Zeichen erfunden, die der Schlüssel zur neuen Dimension sind, und daß ich die falsch interpretiert hätte. Meine Assistentin hat dann rausgefunden, daß sie den Film siebenmal gesehen hatte.
MC: Mir fällt auf, das es seit einiger Zeit keine anspruchsvollen SF-Filme mehr gibt, wie zum Beispiel Blade Runner. Ist das Genre eine Art Fast-Food-Produkt geworden?
RE: Ja, das ist es irgendwo in der letzten Zeit gewesen.
MC: Ohne Merchandising scheint gerade bei SF-Filmen überhaupt nichts zu laufen. Plant man diesen Faktor bereits beim Drehbuchschreiben mit ein, indem man Charaktere entwickelt, die sich gut als Action-Figuren machen?
RE: Ich war am Anfang total dagegen, du hättest mich mal hören müssen. Ich hab mir dann Filmspielzeug angeguckt, und ich fands ziemlich lausig - ich find’s auch immer noch lausig. Ich hab’s dann gemacht, weil ich gemerkt hab, daß die Produktion dadurch extra Geld verdienen kann.
MC: Könntest du dir vorstellen, bis zum Ende deiner Tage in Hollywood zu arbeiten?
RE: Nein, das will ich nicht. Ich will bestimmt nicht in Los Angeles alt werden.
MC: Aber in Deutschland Filme zu machen ...?
RE: Wenn ich alt bin, will ich keine Filme mehr machen.
MC: Was denn?
RE: Postkarten an Leute schicken vielleicht - keine Ahnung. Ich plane nie länger als drei Jahre voraus.
Alle Fotos: ©Centropolis
©Myra Çakan

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