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Dienstag, 22. März 2011

Strange Days - Kathryn Bigelow

Mit "Blue Steel" fachte sie die Diskussion um Gewaltdarstellung im Film an. Auch der neue Streifen der Regisseurin Kathryn Bigelow sorgt für Gesprächsstoff. "Strange Days" heißen ihre Visionen vom bevorstehenden Jahrtausendwechsel, die jetzt im Kino zu sehen sind. Der Film erzählt u. a. die Geschichte des Dealers Lenny Nero (Ralph Fiennes), der seine große Liebe, die Rocksängerin Faith (Juliettte Lewis), vor ihrem Manager retten will. Dann ist da noch "Mace" (Angela Bassett), die clevere Sicherheitsexpertin, die für Lenny mehr als nur Freundschaft empfindet. 
Das Drehbuch verfaßte Bigelows Ex-Ehemann James Cameron ("True Lies"). Fast vier Jahre sind seit dem letzten Film "Gefährliche Brandung" vergangen, sieht man einmal von ihrem kurzen Ausflug zum Fernsehen ab: Für Oliver Stones Science-Fiction-Serie "Wild Palms" führte Kathryn Bigelow in einer Episode Regie. 
Warum diese lange Pause? Tatsächlich habe sie die ganze Zeit an dem Film gearbeitet. Bereits vor drei Jahren habe sie Material für die Massenszenen aufgenommen. Es wurde für die gigantische 2000-Jahr-Silvester-Feier benötigt. Unter anderem wurde in New York am Times Square gedreht. Dort waren am Neujahrsabend 500 000 Menschen versammelt. Gedreht wurde bis Oktober und die Fertigstellung dauerte fast ein Jahr. Neben den beeindruckenden Massenszenen gibt es diverse andere, in denen der Zuschauer die subjektive Sichtweise miterlebt, wie sie durch den "Squid" möglich wird. 
Fotos: ©20th Century Fox
Diese High-Tech-Spielerei ist eine Art Multi-Media Droge in "Strange Days". Mit ihr kann der Benutzer ungefiltert die Erlebnisse einer anderen Person erfahren. "Dafür wurde eine besondere Kamera entwickelt", erzählt Kathryn Bigelow. Doch es war nicht die technische Herausforderung, die das Interesse der Regisseurin an dem Stoff weckte. "Mich reizten die Charaktere, die Umkehr der typischen Geschlechterrollen. Ralph Fiennes spielt einen Mann, der seine Gefühle zur Schau stellt und verletzlich ist. Angela Bassetts Charakter ist der starke Part." 
Einen Film ohne eine starke Frauenfigur scheint es bei Kathryn Bigelow nicht zu geben. In ihrem vielbeachteten "Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis" ist es May, ein Vampir. In "Blue Steel" Megan (Jamie Lee Curtis), die zähe und mutige Polizistin, sogar Lori Pettys kleine Rolle in "Point Break" - alles starke Persönlichkeiten. "Ich könnte mir nicht vorstellen, einen Film über eine Frau zu machen, die nicht ihr Schicksal kontrolliert." Trotzdem wird sie heftig von Geschlechtsgenossinnen kritisiert. Man erwartet von ihr, daß sie auf Gewaltdarstellung verzichtet, als Frau andere Filme macht. "Nettere Filme? Wenn ich solche Diskussionen entfache, sehe ich das positiv", so Bigelow. Bisher ist es ihr gelungen, unbeirrbar ihre filmischen Ideen zu verwirklichen. Trifft sie Entscheidungen intuitiv? "Unbedingt. Wir haben zum Beispiel 77 Nächte hintereinander gearbeitet - das macht man nur aus Leidenschaft, nicht vom Intellekt her." 
Die Kalifornierin Bigelow studierte in San Francisco Malerei, zog um nach New York und entdeckte dort ihre Liebe zum Film. In ihren Arbeiten hat die Bildästhetik einen hohen Stellenwert. "Ich bin empfänglich für verführerische Bilder, wenn sie der Story und den Charakteren dienen." Doch etwas Science-Fiction muß auch sein, diese technische Spielerei, mit der man subjektiv Erlebtes direkt nacherleben kann. Gäbe es diesen "Squid" zu kaufen, Kathryn Bigelow würde ihn benutzen. "Alles, was dazu beiträgt, daß die Welt mehr zusammenrückt, begrüße ich." Durch das Internet erführe man, was Schüler in Japan denken, welche Musik sie hören. Auf einmal sei die Welt viel zugänglicher. Bigelow resümiert: "Das Thema des Filmes ist Beobachten und die Konsequenzen des Voyeurismus. Und ich denke, dadurch kommentiert sich der Film selbst." 
©Myra Çakan
Strange Days, USA 1995, Regie:Kathryn Bigelow

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