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Montag, 21. November 2011

Krieg der Sterne Reminiszenzen

Foto: ©Lucasfilm Ltd
Die Geschichte klingt so simpel wie clever: Ein junger Held ist auf der Suche nach seiner Bestimmung, eine hübsche Prinzessin ist in Nöten. Dazu kommen ein tollkühner Raumschiffpilot, ein Bösewicht in schwarzer Rüstung, ein paar putzige Roboter und der ewige Kampf zwischen Gut und Böse - die idealistischen Rebellen gegen das finstere Sternenimperium. Das Ergebnis sucht jedoch seinesgleichen. Als George Lucas episches Weltraummärchen "Krieg der Sterne" vor zwanzig Jahren in die Kinos kam, sollte sich die Filmlandschaft von grundauf verändern. Nie zuvor war solch ein Feuerwerk an Spezial Effekten gezündet worden. George Lucas gründete seine F/X Firma Industrial Light&Magic ursprünglich nur für die Produktion der Star-Wars-Saga, die bereits damals auf insgesamt neun Filme angelegt war. (Derzeit sind die Vorgeschichten in Produktion - Star Wars I bis III - in denen die Figuren eingeführt werden und auf denen die bereits vorhandenen Filme dann inhaltlich aufbauen werden.) 


Foto: ©Lucasfilm Ltd
Daß "Krieg der Sterne" und die Fortsetzungen "Das Imperium schlägt zurück" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter zu mehr als zur unterhaltsamen Science-Fiction-Reihe wurde, liegt an den Fans. Die Star War Saga ist ein Phänomen, vergleichbar nur mit dem Kult um das Raumschiff Enterprise. Auch für die Schauspieler war nichts mehr wie vorher. Luke Skywalker (Mark Hamill), Han Solo (Harrison Ford) und Prinzessin Leia (Carrie Fisher) wurden zu Helden einer Generation. In Anspielung auf die zahllosen Merchandising-Artikel, meinte Carrie Fisher jüngst: "Mein Gesicht gehört George (Lucas)". Die Schauspielerin erinnert sich an Haar-Shampoo in "Leia"-förmiger Flasche, deren Kopf man abdrehen konnte. Als Darstellerin glänzte sie eher in Nebenrollen, doch als Autorin brachte sie es mit zwei Romanen zu Bestseller-Würden. "Grüße aus Hollywood" wurde mit Meryl Streep in der Hauptrolle verfilmt. 
Harrison Ford versuchte dem Personenkult zu entkommen, indem er mehrere Filme in England drehte. Sein Verhältnis zu Han Solo blieb gespalten, wäre es nach Ford gegangen, wäre der tollkühne Raumschiffpilot im dritten Teil der Saga den Heldentod gestorben. Mit "Indiana Jones" gelang ihm dann der Aufstieg zum erfolgreichsten Schauspieler der 80er Jahre. Mittlerweile hat Ford, durch Filme wie „Witness“ oder „Mosquito Coast“, bewiesen daß er das Charakterfach genauso beherrscht wie das Action-Genre. 
Foto: ©Lucasfilm Ltd
Mark Hamill, der die Lichtgestalt Luke Skywalker spielte, scheint in der Versenkung verschwunden zu ein. Mehrere unbedeutende Filmrollen und die Mitwirkung an dem Computer-Spiel "Wing Commander" schmücken seine Biografie. Das er jahrelang recht erfolgreich, in New York und Los Angeles Theater spielte, ist kaum bekannt. 

Es ist etwas an den Filmen, das offensichtlich süchtig macht. Und weder die Fans (Tom Cruise gestand einmal, daß er die Star Wars Filme mehr als fünfzehnmal gesehen habe) - noch der Filmschöpfer, George Lucas, kommen davon los. "Star Wars hat mein Leben übernommen", klagte er vor fünfzehn Jahren. "Ich muß es zurückhaben, ehe es zu spät ist." So schwor sich Lucas, der mit der Figur des Luke (die Kurzform von Lucas) Skywalker sein Alter ego schuf, nach Beendigung der Dreharbeiten zu "Krieg der Sterne" nie mehr Regie zu führen. Zwanzig Jahre hielt er Wort. Doch jetzt hat er eine "Ausrede", um wieder auf dem Regiestuhl zu sitzen: Für die Prequels kann er jene Technologie erstmals in einem Kinofilm einsetzen, die er für die "Young Indiana Jones"-TV-Serie entwickelte. 
Foto: ©Lucasfilm Ltd
Wie schrieb noch das New Yorker Magazin vor zwanzig Jahren? "Star Wars wird bei jenen ankommen, die das Glück haben, noch Kinder zu sein, oder bei jenen, die das Unglück haben, nie erwachsen zu werden". Für all jene Menschen hat Lucas seine Sternen-Saga jetzt wieder ins Kino gebracht. Drei Jahre arbeiteten die Spezialisten von ILM an der Restaurierung der Filme - die Farben wurden aufgefrischt, das Negativ Feld für Feld von Hand gereinigt, der Ton digitalisiert und an einigen Stellen tiefe Frequenzen eingefügt, um das Brummen der Raumschiffe noch eindrucksvoller zu machen. Lucas besserte Szenen mit digitaler Technik nach. So wurde eine bereits abgedrehte Szene mit Han Solo und dem wabbeligen Jabba wieder eingeführt. Damals konnte Jabba nur von einer Puppe dargestellt werden, und Lucas war mit dem Ergebnis unzufrieden. In der neuen Version ist ein im Computer generierter Jabba zu sehen. Ebenso wurde Computer Technologie dazu verwendet, Kunstfehler wie schwarze Balken zu entfernen. Und teilweise wurden gemalte Hintergründe durch digitalisierte Bilder ersetzt, um mehr Tiefe zu erzeugen. 
Das Ergebnis dieser Erneuerung nennt Lucas bescheiden "Star Wars für das nächste Jahrtausend". 

Foto: ©Lucasfilm Ltd
Doch dies sind die Neunziger, die Zeit der Märchen ist vorbei. "Star Wars" hat wieder Platz eins als der erfolgreichste Film aller Zeiten eingenommen. Noch nie zuvor wurde ein Film dermaßen vermarktet. In den USA wurden Star-Wars-Läden eröffnet, und auf den Regalen stehen Skywalker-Figuren, muskelbepackt wie Schwarzenegger. Der schmalbrüstige Held hat ausgedient. Der Mythos hat sich schon längst verselbstständigt. Die Fans wollen jedoch den idealisierten Helden und nicht die Action-Figur. Es bleibt also abzuwarten, ob die nächsten „Star Wars“-Filme Weltraummärchen, oder hohle Sci Fi Spektakel à la „Independence Day“, sein werden. Wünschen wir also George Lucas ein aufrichtiges: „Möge die Macht mit dir sein.“
©Myra Çakan - 1997

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