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Montag, 14. Februar 2011

Patrick Stewart über Star Trek

© 1997 Paramount

Das Raumschiff "Enterprise" fliegt wieder einmal durch unser Sonnensystem und beamt sich auf deutsche Kinoleinwände. Diesmal wird die Crew des berühmten Sternenschiffs vor eine harte Bewährungsprobe gestellt, muß sie doch die oberste Direktive der Sternenflotte - die Nichteinmischung in die Belange fremder Völker - mißachten. Denn es gilt, die Ba ku zu beschützen. Diese leben auf einem Planeten, der seinen Bewohnern durch eine besondere Art der Strahlung zu ewiger Jugend verhilft. Da sind natürlich die Finsterlinge nicht weit, die diesen wertvollen Jungbrunnen ausbeuten wollen. Die friedfertigen Ba ku sind da nur im Weg.

Als der integere und mutige Captain Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) von dem schändlichen Tun erfährt, eilt er mit Crew und Raumschiff zur Rettung der Unterdrückten herbei - ganz in guter alter "Star Trek"-Tradition. Doch damit erschöpft sich "Der Aufstand" auch schon beinahe. Alles andere an diesem neunten Streifen ist konventionell in Erzählstruktur und Handlung - da helfen auch einige hübsche Einfälle und Spezial-Effekte sowie ein vielschichtiger Bösewicht, gespielt von F. Murray Abraham, nicht viel. (...)

Ähnlich scheint es auch Hauptdarsteller Patrick Stewart zu sehen, der im Interview eine leichte "Weltraummüdigkeit" erkennen ließ. "Ich bin seit mehr als vierzig Jahren Schauspieler. Morgen ist die Promotiontour für diesen Film zu Ende, er gehört also bereits der Vergangenheit an." Und er fügt hinzu, daß es fraglich sei, ob es noch einen zehnten Star Trek-Film geben werde oder ob er darin mitspielen möchte. Dabei ist dieser mit dem Untertitel "Der Aufstand" für Patrick Stewart erst der dritte. Sein Vorgänger William Shatner (Captain Kirk) zeigte da mit sechs Streifen mehr Ausdauer. Doch anders als Shatner - der ständiger, gutbezahlter Gast auf Star Trek-Veranstaltungen ist sowie mehrere Bücher zum Thema geschrieben hat - will der langjährige Shakespeare-Darsteller den Kult nicht zu einem Teil seines Lebens machen.

Als Patrick Stewart vor elfeinhalb Jahren als Nachfolger von Captain Kirk besetzt wurde, hatte er keine Ahnung, welch schweres Erbe er antreten würde: Die Fans der Serie standen dem "Neuen" anfangs sehr skeptisch gegenüber - und Stewart selbst war völlig ahnungslos, was den Kultstatus der Serie anbelangte. Erst als er die Serie drehte, wurde er mit dem Phänomen Star Trek konfrontiert. Und selbst nach all den Jahren sei er von der immensen Popularität der Serie überrascht. Die größte Umstellung bedeutete allerdings die terminliche Verpflichtung, die mit der Serie verbunden war. "Ich war seit 27 Jahren Bühnenschauspieler, und ich war nicht darauf vorbereitet, dies aufzugeben", erinnert sich Stewart. "Doch während der sieben Jahre, die ,Star Trek - Die nächste Generation lief, konnte ich nichts anderes nebenbei machen."
Doch trotz aller Distanzierung von dem Phänomen Star Trek, ist er dem Charakter des Captain Jean-Luc Picard immer ähnlicher geworden. "Tatsache ist, daß ich Picard nicht mehr von mir trennen kann. Die Grenze zwischen dem Charakter und seinem Darsteller ist verwischt. Ich muß nicht über der Rolle brüten, ich weiß, wer dieser Mann ist." Er habe sogar versucht, einige von Picards Verhaltensweisen zu kopieren, als er sah, wie erfolgreich sie in der Serie waren. "Picard ist ein großartiger Zuhörer, das ist etwas, was ich von ihm lernen wollte. Ich bin nur nicht so klug wie Picard."
Zum ersten Mal ist Stewart an einem Star Trek-Film als Produzent beteiligt. Wollte er dadurch mehr Einfluß auf das Drehbuch nehmen? "Ich werde als Associate-Producer geführt, und das hat in Hollywood nicht die geringste Bedeutung. Diese Art von Titel ist etwas, was man seiner Freundin gibt", erklärt Stewart. Ihm habe man diesen Titel als Anerkennung für seine Arbeit gegeben. Und mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: "Gebracht hat mir das zwei Extra-Einladungen für die Premiere. Andererseits wurde ich darauf hingewiesen, daß ich auch für alle Fehler geradezustehen hätte." Daß er sich als Hauptdarsteller aus allem raushielte, sollte man aber nicht annehmen. Das Gegenteil sei der Fall. "Durch meinen Theaterbackground bin ich es gewohnt, im Ensemble zu arbeiten. Dort hat jeder eine Meinung und tut diese auch kund. Ich bin nie jemand gewesen, der nur stur seinen Text auswendig lernt." Bereits bei den letzten beiden Filmen war er an allen Vorgängen beteiligt - vom Drehbuch bis zur Besetzung.
Seit dem Ende der Fernseh-Serie ist Patrick Stewart wieder mehr auf der Bühne zu sehen. So spielte er in New York und Washington den "Othello" und übernahm die Hauptrolle in Arthur Millers neuem Stück "The Ride Down Mt. Morgan". Das Theater ist für Stewart, der Ehrenmitglied der "Royal Shakespeare Company" ist, eine Darstellungsform, die ihm mehr zusagt als Hollywood. "Vermutlich liegt es daran, daß das Theater für mich den genaueren Blick auf die Welt bedeutet." (...)

von Myra Cakan

Star Trek - Der Aufstand - USA 1998 / Science-fiction Regie: Jonathan Frakes


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