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Mittwoch, 6. April 2011

The Saint - Rezension und Gespräch mit Val Kilmer

Vor siebzig Jahren erfand der britische Autor Leslie Charteris den "Heiligen", einen Meisterdieb mit vielen Namen und Persönlichkeiten. Hierzulande errang dieser Simon Templar Kultstatus durch die gleichnamige TV-Serie - Roger Moore spielte damals den smarten Dieb. Der australische Regisseur Phillip Noyce hielt sich bei der Kinoadaption des "Heiligen" jedoch nicht an die TV-Serie, sondern an die Romane. Außerdem schrieb er seinem Simon Templar eine traumatische Kindheit in die Biografie. Für einen machtgierigen Finsterling, den Russen Ivan Tretiak (Rade Serbedzija), soll Simon (Val Kilmer) eine Formel zur Gewinnung kostenloser Energie stehlen. Ihre Erfinderin, die Wissenschaftlerin Emma Russell (Elisabeth Shue), versteckt diese in ihrem BH. Templar, nicht nur genialer Dieb, sondern auch ein Frauentyp, stiehlt die Formel und bricht Emmas Herz. Doch Emma gibt so schnell nicht auf, sie will ihr Geistesprodukt zurück und Simon dazu. Und so ist "The Saint" unterhaltsames Action-Kino und Romanze in einem. 
Für Phillip Noyce war Val Kilmer die ideale Besetzung des Simon Templar. Zum einen, weil er mit Rollen wie der des Jim Morrison ("The Doors") oder des Doc Holliday ("Tombstone") gezeigt hatte, wie glaubwürdig er auf der Leinwand zu einer anderen Person werden kann. Und auch, weil Simon immer dann am glücklichsten sei, wenn er jemand anderes ist. "Ich denke, Val geht es genauso", sagt Noyce. Glaubt man, was über den Schauspieler in der Klatschpresse verbreitet wird, ist Kilmer ein über die Stränge schlagender Mann mit Starallüren. Auch Noyce hatte einiges über seinen Hauptdarsteller gehört. Doch "Val war, wie der Titel des Filmes es verlangte, ein richtiger Heiliger", meinte der Regisseur mit Bedauern in der Stimme; zu gerne hätte er den schlimmen Val auch einmal kennengelernt. 
Wie ist er denn nun wirklich, der Hollywood-Star, der als schwieriger Interview-Partner gilt? Höflich reicht er die Hand zur Begrüßung, konzentriert beantwortet er die Fragen. Wobei es ihm allerdings mehr um sein angekratztes Image als um seinen neuen Film zu gehen scheint. Mit siebzehn Jahren hat er die Schauspielschule absolviert, doch besessen sei er von seinem Beruf nicht. "Vielleicht sollte ich mich als naiv bezeichnen. Ich habe mich nie um die Pflege von Geschäftsbeziehungen gekümmert. Bis vor kurzem hatte ich noch nicht einmal einen Presseagenten. So sind dann seltsame Meldungen über mich verbreitet worden, ohne daß sich jemand um eine Richtigstellung gekümmert hätte." Als Beispiel führt er an, daß er angeblich den Regisseur von "Die Insel des Dr. Moreau" feuern ließ. "Ich erfuhr davon Tage später, während der Dreharbeiten. Die Vorstellung ist völlig lächerlich, so einen Einfluß habe ich nun wirklich nicht. Ich bat das Studio, eine Berichtigung herauszugeben, dies ist jedoch nicht geschehen." Als Opfer der Presse sieht er sich allerdings nicht. Die Journalisten hätten ihn immer sehr fair behandelt, wenn es um seine Filme ging, so der Ex-Batman-Darsteller. Auch für die letzten Gerüchte, nach denen er die Kostümbildnerin für "The Saint" zur Verzweiflung getrieben haben soll, hat er nur ein Schulterzucken. Sicher, sie mußte viele Pullover zur Auswahl nach Rußland schicken. Aber wohin, bitte schön, hätte sie sie denn schicken sollen? "Nach Uruguay? Wir haben den Film schließlich in Rußland gedreht. Bei der Premiere hat sie sich sogar bei mir entschuldigt, weil sie sich so von der Presse bedrängen ließ." 


In "The Saint" tritt Val Kilmer in den unterschiedlichsten Masken und Verkleidungen auf, vom pferdezähnigen Journalisten bis zur russischen Putzfrau. "Das hat großen Spaß gemacht. Ich hatte auch Anteil an der Entwicklung der verschiedenen Charaktere, der von Thomas Moore basiert zum Beispiel auf einem Bekannten aus Afrika." Dem schwarzen Kontinent gilt seine große Liebe, nicht erst seit dem Film "Der Geist und die Finsternis" vor wenigen Monaten. Zur Zeit schreibt er an einem Drehbuch, dessen Geschichte in Afrika spielt. "Es soll mein nächster Film werden. Afrika ist so faszinierend und dynamisch, und trotzdem gibt es so wenig große Filme darüber. Und wenn, sind es fast alles Liebesgeschichten, wie ,Jenseits von Afrika`." Die Antwort, was dem Mann, der zwei der größten Pop-Ikonen unserer Zeit (Elvis und Jim Morrison) verkörperte, Ruhm bedeute, überrascht. "Nicht viel. Dort, wo ich lebe - in New Mexico - ist dein Bekanntheitsgrad unwichtig, dort zählt, was du bist. Die Leute kommen zwar zu dir nach Hause, wenn du eine Party gibst und trinken deinen Champagner - doch wenn du nichts für die Gemeinde tust, zählt dies alles gar nichts." 
Myra Çakan

The Saint - Der Mann ohne Namen /USA 1997, Regie: Philipp Noyce - Fotos: © Paramount

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