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Donnerstag, 24. Mai 2012

Kathy Bates ist "Dolores Claiborne"

Als mörderische Krankenschwester in Misery gelangte sie zu Ruhm und Oscar-Würden. Jetzt ist Kathy Bates erneut in einer Leinwandadaption eines Stephen King-Romans zu sehen. In Dolores spielt sie eine Frau, die unter Verdacht steht, ihre Arbeitgeberin ermordet zu haben. In Rückblenden erzählt der Film von einer ungewöhnlichen Freundschaft und ist gleichzeitig eine packende Mutter-Tochter-Geschichte (Kathy Bates Film-Tochter wird von Jennifer Jason Leigh gespielt). "Dolores" ist auch ein Film, in dem jeder ein Geheimnis hat. Kein Thriller der harten und schnellen Machart, sondern einer, der das komplexe Innenleben seiner Charaktere auslotet. Regie führte Taylor Hackford (Ein Offizier und Gentleman), der schon immer einen "Frauenfilm" machen wollte, er nicht dem üblichen Hollywood-Klischee der Frau als sanftes Sexy-Weibchen entspricht. 

Eine Frauenfigur wie Dolores Claiborne sei bisher noch in keinem amerikanischen Film zu sehen gewesen, so der Regisseur. "Sie ist kein Opfer. Sie ist stark, aber gleichzeitig sehr kompliziert und sperrig." Dazu kommt, daß Dolores Claiborne sowohl als eine Frau von dreiunddreißig Jahren als auch als eine vom Leben gebeutelte Mittfünfzigerin dargestellt werden mußte. Kathy Bates war Hackfords erste Wahl. Sie sei nicht nur eine brillante Darstellerin, sie hätte auch ihre eigenen Erfahrungen in die Rolle eingebracht und sie mit Leben erfüllt, schwärmt der Regisseur.
Obwohl Kathy Bates schon einige Film- und TV-Erfahrungen hatte, gelang ihr erst 1990, im Alter von 42 Jahren, mit "Misery" der Durchbruch in Hollywood. Und auch ihre Rolle in Grüne Tomaten ist noch in guter Erinnerung. Dabei sollte nicht vergessen werden, daß sie eine sehr erfolgreiche und mehrfach ausgezeichnete Theaterschauspielerin ist. Das Handwerkliche und nicht das Glamouröse habe sie gereizt, herauszufinden, ob sie die Beste sein könne, sagt Kathy Bates auf die Frage, ob sie jemals eine Hollywood-Karriere geplant habe. Doch wie sieht sie sich selbst in einer Industrie, die so auf Äußerlichkeiten ausgerichtet ist? "Es ist seltsam, aber als ich jung und schlank war, hatte ich es wirklich schwer. Jetzt, wo ich älter und gewichtig bin, geht es mir großartig, ich arbeite, und ich spiele Rollen, von denen ich mir erhoffe, daß sie etwas bewirken." Etwas bewirken, Herausforderungen annehmen sind Worte, die Kathy Bates öfter benutzt. 
© Copyright 1995 - Castle Rock Entertainment

Doch der Erfolgsdruck nach einem "Oscar" ist groß. Schon öfter errangen relativ unbekannte Schauspieler diese Auszeichnung, um anschließend in der Versenkung zu verschwinden. Dieser Gedanke sei ihr auch durch den Kopf gegangen, gesteht die Schauspielerin. Ein Jahr nach der Verleihung hätte sie nur sehr unbefriedigende Rollen gespielt - "Und ich fragte mich, ist das jetzt alles gewesen?" Spätestens nach Dolores braucht sie sich diese Frage nicht mehr zu stellen. Regisseur Hackford dazu: "Ich weiß nicht, wie Kathy Bates darüber denkt. Aber ich denke, ,Dolores` ist die Rolle ihres Lebens." Die Schauspielerin hat das gleiche Gefühl. "Es ist seltsam, vorher habe ich nie so gedacht, aber jetzt weiß ich, daß ich mich nicht mehr beweisen muß. Ich fühle, daß ich spielen kann, was ich will." 
Die junge Dolores war schwieriger zu spielen als die alte, erzählt Kathy Bates. "Wir haben die Szenen mit der alten Dolores zuerst gedreht. Dort hatte ich Hilfen, mit denen ich arbeiten konnte - die verbrauchten Hände, den kranken Rücken." Es sei schwierig gewesen, den gleichen Charakter ohne die zwanzig Jahre Lebenserfahrung zu erschaffen. Um diesen Unterschied auch körperlich sichtbar zu machen, arbeitete sie mit einem Bewegungslehrer in der Körpersprache ihres Charakters. 

Die sympathische Künstlerin sucht die Herausforderung auch auf anderen Gebieten. Kürzlich gab sie ihr Regie-Debüt in der TV-Serie "Talking with". Regieführen würde ihrer Krativität Freiheiten erlauben, schwärmt sie. Ein großes Projekt ist bereits in der Entwicklung, und Kathy Bates wird sowohl Regie führen als auch die Hauptrolle spielen. Als Vorbilder nennt sie Martin Scorsese, Jane Campion und Barry Levinson. Wenn sie an ihre eigenen Arbeiten denkt, fallen ihr Rob Reiner, Milos Forman und Woody Allan ein. Von der Schauspielerei wird sie sich trotzdem nie ganz verabschieden. Sie wartet auf ein Drehbuch, das sie packt. "Hier muß es mich treffen", sie knufft sich in den Magen, "wenn ich die ersten Sätze lese, muß ich mir sagen, diese Worte will ich unbedingt sprechen." 

©Myra Cakan

Dolores /USA 1995, Regie: Taylor Hackford

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