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Freitag, 18. März 2011

Inception - Rezension

Es ist eines der ungeschriebenen Gesetze des Erzählens: Wenn der ausgebrannte, aber grundgute Held sich überreden lässt, nur noch einen allerletzten gefährlichen Auftrag vor dem wohlverdienten Ruhestand anzunehmen, sind jede Menge Probleme und noch mehr Action programmiert. So geht es auch Dom Cobb, dem genialen Ideendieb in Christopher Nolans düsterem Science Fiction-Thriller "Inception". In einer nicht näher bestimmten Zukunft hat die Industriespionage extreme Formen angenommen.

Anstatt in Firmenzentralen einzubrechen, dringt man in die Gedanken des Opfers ein und holt die Informationen direkt aus dem Unterbewusstsein. Dies geschieht, während sich die Zielperson in einem chemisch herbei geführten Traum befindet, dessen Layout ein so genannter Architekt entworfen hat. Der Extraktor bevölkert diesen Traum mit Gestalten seines Unterbewusstseins und kreiert so eine Umgebung, die für die Träumenden völlig real ist. Doch was ist, wenn der Träumer merkt, dass er in einem künstlichen Traum ist und zurück schlägt? Oder wenn etwas aus dem Unterbewusstsein des Extraktors plötzlich die Kontrolle über das Geschehen übernimmt?
Die Antwort erhält Dom Cobb (Leonardo DiCaprio), als er versucht den mächtigen Firmenmogul Saito (Ken Watanabe) auszuspionieren und ihm und seinem Team sein perfekter Plan buchstäblich um die Ohren fliegt. Doch anstatt den Dieb an die Gesetzeshüter auszuliefern, ködert Saito ihn mit dem berühmten letzten Auftrag, der Cobbs sämtliche Probleme auf einen Schlag lösen soll. Und Probleme hat der geniale Dieb sowohl in der realen als auch in der Traum-Welt mehr als genug. Dabei möchte er nur eines: Zurück in die USA zu seinen Kindern. Allerdings wird er dort wegen Mordes an seiner Frau (Marion Cotillard) gesucht und, als wäre dies noch nicht genug, hat es sich die tote Gattin in Cobbs Unterbewusstsein gemütlich gemacht und droht seinen neuen Auftrag zu sabotieren. Dabei ist der auch ohne Schuld und Sühne heikel genug. Anstatt etwas zu stehlen, soll Cobb mit seinem Team eine Idee einpflanzen, und zwar so geschickt, dass das Opfer nicht merkt, dass es manipuliert wurde und die fremde für seine eigene Idee hält. Ein Vorhaben, dass eigentlich unmöglich ist und bislang nur einmal und mit fatalen Folgen versucht wurde - von Dom Cobb. Damit der Auftrag gelingen soll, muss ein Traum innerhalb eines Traums gebaut werden...

Wer sich auf die Idee einlässt, dass man mittels eines Drogencocktails in designte Traumwelten reisen kann, der erlebt mit "Inception" eine intelligente und visuelle Achterbahnfahrt. Zwar ist die Rezeptur nicht neu - das Handlungsgerüst besteht aus einem Genremix zu dem bekannte Gangster-, Western- und Science-Fiction-Filme die Zutaten lieferten - doch das clevere Drehbuch und die genialen Special Effects geben diesem Film den besonderen Kick.
Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan, der mit "Batman Begins" und "The Dark Knight" den Kassenerfolg im Rücken hatte, um ein 160 Millionen teures Projekt zu stemmen, hat bereits mit "Memento" bewiesen, dass er eine komplexe und unerwartete Geschichte erzählen kann. Mit "Inception" zündet ein wahres Feuerwerk an Ideen. Anders als z.B. bei "Matrix", wo mit zwei Ebenen gearbeitet wurde, einer virtuellen und einer realen, bewegen sich Nolans Protagonisten durch bis zu fünf Handlungsebenen.

Zwar erfindet Nolan den Science-Fiction-Film nicht neu und zuweilen hat man den Eindruck, dass er mit seinem ausgeklügelten Script kokettiert. Dies führt dazu, dass zu Beginn des letzten Drittels eine Art Übersättigung eintritt und man der Handlung nicht mehr so bereitwillig folgt, da man bei all den Ebenen und Effekten schlicht den Überblick verliert.
Es knallt und zischt und explodiert an allen Fronten, oder besser gesagt auf allen Traumebenen, und die Protagonisten verfallen in Hektik. Nur Nolan behielt bei dem Spektakel zum Glück den Überblick und führt alle Handlungsstränge zusammen. Durchatmen.
 
©MYRA ÇAKAN

Inception, Science Fiction, USA, GB 2010, Regie: Christopher Nolan - Fotos: ©Warner Bros.

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