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Freitag, 29. Juli 2011

Galaxy Quest - Sigourney Weaver im Gespräch

Foto: ©Dreamworks
Raumschiffe, ferne Welten und fiese Außerirdische sind ihr nicht fremd, ganz im Gegenteil: Mit ihrer ersten Hauptrolle in Ridley Scotts Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979) gelang Sigourney Weaver auf Anhieb der Durchbruch zur Leinwandheldin der anderen Art. Mit der Figur der Ripley, die im Alleingang das tödliche Alien bekämpft, setzte sie Maßstäbe für das Frauenbild in Hollywood-Streifen. Obwohl Sigourney Weaver mit den Ghostbusters -Filmen und Fortsetzungen der Alien-Serie ins phantastische Genre zurückkehrte, hat sie immer darauf geachtet, möglichst unterschiedliche Rollen zu spielen. "Ich habe eine grundsätzliche Vorgehensweise, die noch aus meiner Zeit am Theater stammt", erzählt sie. "Für mich bedeutete Erfolg, in einer sehr guten Theater-Kompanie mit einem großen Repertoire zu spielen. Mein Traum waren nie all die großen Film-Rollen. Ich wollte viel lieber herum experimentieren."
So wählt sie ihre Filmengagements nach Inhalten und nicht nach der Größe der Rolle aus. "Wichtig ist, dass die Geschichte steht und nicht durch Drehbuchänderungen kaputt gemacht werden kann. Und als nächstes stelle ich mir die Frage, ob ich in diesem Film mitspielen will."



Doch sie spielt nicht nur mit - bei Alien - Die Wiedergeburt war sie auch als Co-Produzentin tätig. "Wenn es um die Alien-Filme geht, habe ich einfach die meiste Erfahrung. Ich weiß, was funktioniert und was nicht. Die Produktion wusste, ich würde meinen Mund auf jeden Fall aufreißen, also gaben sie mir gleich den Job des Co-Producers." So konnte Sigourney Weaver dafür sorgen, dass das, was sie "das Geheimnis, das Besondere der Alien-Kreatur" nennt, bewahrt wird. Anders sei es, wenn man mit Roman Polanski (Der Tod und das Mädchen) arbeitet. "Der will deine Meinung nicht hören. Aber das ist in Ordnung. Roman weiß genau, was er will, er fängt nicht plötzlich an, das Drehbuch umzuschreiben." Mit drei Oscar-Nominierungen (Aliens, Gorillas im Nebel - Die Leidenschaft der Dian Fossey und Die Waffen der Frauen) sowie diversen anderen Auszeichnungen im Film und Theaterbereich zählt Sigourney Weaver zweifelsfrei zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen der letzten 20 Jahre. 
Foto: ©Twentieth Century Fox

Damit gerechnet hat die sympathische Schauspielerin allerdings nicht. Geboren und aufgewachsen in New York, ging Susan Weaver -den Künstlernamen Sigourney gab sie sich nach einer Figur aus dem Roman "Der große Gatsby" - ans College nach Standford. Dort lebte sie mit ihrem Freund ein typisches Hippie-Leben: Sie wohnten in einem Baumhaus auf dem Campus, nähten sich ihre Kleider selber und klauten sich aus dem Experimentalgarten der Uni Gemüse.
Weniger idyllisch ging es auf der Schauspielschule in Yale zu. Dort meinten ihre Schauspiellehrer, dass sie kein Talent hätte. "Ich bekam einen Nervenzusammenbruch. Da bezahlst du eine Menge Geld für deine Ausbildung, und dann sagen dir ein paar Sadisten, dass du nichts taugst. Ich habe es damals sehr schwer genommen. Auf der anderen Seite hatte ich dadurch den Vorteil, dass ich, als ich nach New York ging, nur Katastrophen erwartete. Während die hoch gelobten Schüler dachten, alles würde nur auf sie warten."


Aber Sigourney Weaver hatte das Glück, bei kleinen Experimental-Bühnen ständig neue Rollen zu spielen, für die sie zwar nicht bezahlt wurde, aber die ihr ein neues Gefühl für ihre Arbeit vermittelten. "Ich fühlte mich viel freier als in Yale, da durfte ich immer nur Prostituierte und alte Frauen spielen", erinnert sie sich. Die Zukunft sieht sie positiv -und klopft dreimal auf Holz. "Ich glaube, dass unsere Filme wieder besser werden. Es geht wieder mehr um die Menschen und nicht um Spezial-Effekte. Heutzutage ist es leichter, eine gute Rolle zu finden, als noch vor ein paar Jahren."
Sigourney Weavers neuester Film  Galaxy Quest - Planlos durchs Weltall ist eine Science-Fiction-Komödie über eine zweitklassige Science-Fiction-Serie und ihre abgehalfterten Akteure. "Star Trek für Arme", so O-Ton Weaver. Zwar konnte sie als Teenager die Originalserie nicht sehen, erinnert sich aber an die "schlechteren frühen Shows, wie Flash Gordon." Sie hat eben ein Herz für Science Fiction und für Fantasy: "Es gibt keine Beschränkung durch die Realität." Dennoch sieht sie "Galaxy Quest" eher als Geschichte über erfolglose Schauspieler, die erleben, wie ihre Serie plötzlich Realität wird, als sie von Aliens gekidnappt werden, um deren Planeten vor der Vernichtung zu retten. "Diese Ausgangssituation fand ich anrührend und lächerlich zugleich." 

Foto: ©Dreamworks
In "Galaxy Quest" ist die sonst brünette Schauspielerin erblondet und hat an Oberweite reichlich zugelegt. Ihr neuer Look war ihre Idee, wie sie erzählt "Von meinem Naturell sind mir Gwen DeMarco und ihre TV-Persönlichkeit Tawny Madison viel näher als Ripley. Ich wüsste auch nicht, welche Knöpfe ich in einem Raumschiff zu drücken hätte." Außerdem hätte sie es als irritierend empfunden, wenn sie in dem Film genauso ausgesehen hätte wie Ripley. "Eine Figur mit dem Namen Tawny schreit förmlich nach einem Look, wie ihn Farrah Fawcett in der TV-Serie 3 Engel für Charlie hatte." 
Die Schauspieler in "Galaxy Quest" verdienen ihren Lebensunterhalt durch Auftritte vor SF-Fans.
Durch ihre Alien-Filme hat Sigourney Weaver natürlich auch Begegnungen mit Fans. "In Amerika habe ich verschiedene Gruppen von Anhängern - für die Alien -Filme, für Gorillas im Nebel  und für die Komödien", erzählt sie und findet es verwunderlich, dass es diese Unterscheidungen gibt. "Ich mag Fans. Ich finde es schmeichelhaft. Und solange sie nicht hinter mir her laufen und mir ein Netz überwerfen, ist alles in Ordnung." 

©Myra Çakan

Galaxy Quest / USA 1999; Regie: Dean Parisot

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