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Donnerstag, 10. Februar 2011

Blair Witch Project - Rezension

Sie sind die Kino-Wunderkinder dieses Jahres: die Regisseure und Drehbuchautoren Daniel Myrick und Eduardo Sanchez. Mit ihrem Kinoerstling The Blair Witch Project, einer schlichten Hänsel-&-Gretel-gehen-in-den-Wald-Geschichte, brachten sie in den Staaten die Kassen zum Klingeln.
Wie einem so etwas gelingt? Mit einer selbst gestrickten Hexen-Legende und einer cleveren Vermarktung durch das Internet. So stellten die Erfinder der Hexe Blair-Legende ihre Seite mit dem gefälschten Hintergrundmaterial - Fotos der Vermissten, Polizeiberichte u. a. - ein Jahr vor dem Kinostart ins Internet und erweckten so vorab ein immenses Interesse an dem Film.

Im Oktober 1994 verschwinden drei Studenten in den Wäldern von Maryland. Sie befanden sich auf Recherche für eine Semesterarbeit über die sogenannte Hexe Blair. Ein Jahr später entdecken Anthropologie-Studenten einen vergrabenen Seesack mit Tagebüchern, Tonbändern und Videokassetten. Dieses Material wird nun auf der Leinwand gezeigt. Von wegen authentisch und wahr. Was der Kinobesucher zu sehen bekommt, sind drei Schauspieler, die 87 Minuten durch den Wald laufen, verfolgt von einer wackelnden Handkamera. Horror der ungewöhnlichen Art.  

Die Pseudo-Dokumentationen der siebziger Jahre - verwackelte, unscharfe Aufnahmen von Ufos, oder dem Loch Ness-Monster - inspirierten Daniel Myrick und Eduardo Sanchez zu "Blair Witch". "Wir hatten folgende Ausgangssituation", erinnert er sich, "wir wollten einen Horrorfilm, der wie eine Dokumentation aussah, und wir brauchten einen Grund, warum jemand mit einer Kamera in dem Wald sein sollte. Aber was wollen diese Leute aufnehmen? Und so kamen wir auf den Blair-Mythos." Ursprünglich sollte der Film aus zwanzig Minuten von dem Studentenmaterial bestehen, der Rest sollte Analyse sein, Interviews mit Wissenschaftlern, Freunden, der Familie. Doch die Geschichte der Studenten in einem Stück zu erzählen, verschaffte dem Film Kontinuität und Spannung.
"Mir machen die Wälder nicht mehr Angst, als vorher auch. Mit dem Weißen Hai war das völlig anders. Danach ging ich für über ein Jahr nicht mehr an den Strand. Der Film hat mich total verängstigt", gesteht Daniel Myrick. Wenn sich jedoch Kinogänger beim ihm beschweren, dass sie nach "Blair Witch" ihre neue Campingausrüstung nicht mehr benutzen wollen, sagt er zwar, das täte ihm leid, in Wirklichkeit freuen ihn solche Reaktionen natürlich. Mittlerweile hat der Film über 140 Millionen Dollar eingespielt - und das bei Produktionskosten von 30 000 Dollar.

Einen Film auf die Art wie "Blair Witch" durch das Internet zu vermarkten, hat es bislang noch nicht gegeben, war dies von langer Hand geplant? "Für uns war das eine unglaublich preisgünstige Art, für unseren Film Reklame zu machen", erzählt Myrick. Sie wollten auf dem Weg den Leuten die Mythologie zugänglich machen. "Die Leute fanden es toll, sie wollten immer mehr über diesen Hexen-Mythos wissen, und so haben wir ihnen was geliefert." Es geht ja in dieser Hintergrundgeschichte nicht nur um eine jahrhundertealte Hexen-Legende, sondern es sind angeblich drei Studenten spurlos verschwunden.
Den Vorwurf, einen Betrug inszeniert zu haben, weist Myrick zurück. "Wir sind Geschichtenerzähler. Kunst ist Manipulation, und ich schließe mich da nicht aus." Sie wollten, dass sich ihr Material real anfühlte, aber sie wollten nicht, dass es Realität wird. "Wir wollten auch niemanden verarschen" , so der Filmemacher, wir wollten eine Welt um unseren Film herum erschaffen, die einen Schritt von der Wirklichkeit entfernt ist." Die Realität zu erhalten, war sozusagen die Hauptdirektive des Films. "Es gibt so viele Dokumentationen bei denen man sofort erkennt, da spricht ein Schauspieler seinen Text. Für uns lag die größte Herausforderung darin, ein Drehbuch zu schreiben, das nicht wie ein Drehbuch wirkte."
Absoluter Realismus hatte auch im Schneideraum Priorität: "Jedes Wort, das so raus kam, als sei es geprobt, flog raus." Nach dem Überraschungserfolg von "Blair Witch Project" ist der Erwartungsdruck auf Myrick und Sanchez natürlich groß. Daniel Myrick meint: "Viele Filmemacher wünschen sich, solche Probleme zu haben. Ich versuche, mich nicht unter Druck zu setzen, da ich jedes Mal, wenn ich einen Film mache, das Genre neu erfinden muss."

Myra Cakan

Blair Witch Project, Horror / USA 1999, Regie: Daniel Myrick und Eduardo Sanchez

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